Ronda, málaga


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Ronda ist eines der Weißen Dörfer Andalusiens. Sie werden deshalb so genannt, weil die meisten Häuser in diesen Dörfern weiß gestrichene Wände und die typischen Flachdächer haben. Ronda bietet seinen Besuchern neben diesem schönen Panorama noch ein einzigartiges Naturphänomen, aber dazu kommen wir später.

Nach etwa anderthalb Autostunden in unserem Mietwagen und unzähligen kurvigen Straßen, die man fast schon als Serpentinen bezeichnen könnte, fuhren wir erst einmal an Ronda vorbei und entfernten uns erneut etwa 15 Kilometer von der Stadt. Zuerst wollten wir die Cueva del Gato besichtigen, die Höhle des Katers. Wir stellten unser Auto auf einem Parkplatz nahe der Attraktion ab und mussten nur noch einen kleinen Pfad entlanglaufen. Der Eingang der Höhle sah tatsächlich aus wie ein Kater, der den essen wollte, der die Höhle zu betreten versuchte! Der Eingang ist der Mund und darüber befinden sich zwei Felseinbuchtungen, die wie Augen aussehen.

Noch vor dem Eingang, den wir bisher nur aus der Ferne betrachten konnten, befand sich ein blauer und sehr klarer See. Dieser schien von Wasser aus der Höhle gespeist zu werden. Im Eingang lagen Felsbrocken; man sollte wirklich nicht ohne ortskundigen Führer und Ausrüstung hinabsteigen.

Im Sommer wäre es sicherlich schön gewesen, im See ein kleines Bad zu nehmen, aber heute war es uns zu kalt, denn der Frühling hatte gerade erst begonnen. Nachdem wir ein paar Fotos gemacht hatten, gingen wir etwas in der Umgebung spazieren. Wir wanderten auf den Pfaden, die nicht voller Wasser waren, bis wir schließlich wieder zu unserem Auto zurückgingen. 

Nach den vom Hinweg bekannten 15 Kilometern kamen wir nun wirklich in Ronda an. Wir konnten schon die berühmten Schluchten und Felswände sehen. Zuerst wollten wir natürlich Rondas Hauptattraktion sehen: die Schlucht Tajo. Wir hatten Glück und fanden gleich in der Nähe ein unterirdisches Parkhaus. Perfekt! Das Wetter in Ronda war gut, auch wenn es ein wenig kälter als in Málaga war.

Es gab drei Brücken, auf denen man die Schlucht, die die Stadt in zwei Teile spaltete, überqueren konnte. Der Tajo ist nicht besonders breit, aber enorm tief. Fast 120 Meter! Zuerst wollten wir die Puente Viejo, die Alte Brücke, besichtigen. Sie ist nur für Fußgänger zugänglich und ist eine Art Rundbogen über der Kluft. Mehr als 100 Meter unter uns rauschte der Guadalevín in Strudeln über die Felsen hinweg.

Die zweite Brücke war die Römische oder Arabische Brücke. Sie wurde von den Mauren gebaut, aber an derselben Stelle befand sich vorher eine aus römischer Zeit; daher werden beide Namen synonym verwendet. Allerdings sollte diese Brücke die optisch am wenigsten beeindruckende sein. Die größte und spektakulärste, die Puente Nuevo, wollten wir uns erst am Nachmittag anschauen; ganz nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“.

Nahe der Römischen Brücke befanden sich die Baños Árabes, die Arabischen Bäder. Sie wurden zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert gebaut und gelten als die besterhaltenen Bäder der Iberischen Halbinsel. Die meisten maurischen Gebäude in Ronda wurden zerstört, als die Stadt im 15. Jahrhundert von den Christen zurückerobert wurde, aber die Bäder überstanden all den Trubel.

 

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Wir kauften uns Eintrittskarten und begannen den Rundgang damit, uns einen Film darüber anzusehen, wie die Bäder funktionierten. Dieser war sehr nützlich, weil wir es ohne die Erklärung wahrscheinlich nicht verstanden hätten. Einige Teile der Bäder hatten noch Dächer, andere lagen an der freien Luft. Es war wirklich sehr interessant, die alte maurische Architektur zu bestaunen. Ein wahres Wunder, dass all diese Schönheit 800 Jahre überdauert hat. Sternförmige Löcher in der Decke leuchteten das Gebäude aus und warfen helle Muster auf dem Fußboden.

Nahe den Bädern befand sich La Casa del Rey Moro, das Haus des Maurenkönigs. Allerdings wollten wir vor dem Besuch noch kurz etwas essen, wofür wir auch gleich in der Nähe ein hübsches Restaurant fanden.

Nach der Stärkung betraten wir endlich das Haus des Maurenkönigs. Der Name ist allerdings ziemlich irreführend, denn das Haus wurde erst im 17. Jahrhundert gebaut, also als die Mauren schon lange nicht mehr in Andalusien lebten. Demnach kann also kein Maure (und schon gar nicht ihr König) darin gelebt haben. Aber von dem Haus aus, das jetzt als Hotel verwendet wird, konnten wir die Wassermine Rondas besuchen. Es gab eine Menge Stufen hinabzusteigen, die oben an der Klippe begannen und sich bis nach unten hin zum Fluss schlängelten. In der Vergangenheit war die Wassermine sehr wichtig für die Bewohner, da sie bei der hohen Lage der Stadt der einzige Zugang zu Frischwasser war. Es gibt sogar einen Mythos, der besagt, dass irgendwo innerhalb der Minen Gänge voller Gold und Edelsteine verborgen sind.

Es war ein bisschen unheimlich, den Stufen in die Dunkelheit zu folgen, auf denen Sklaven vor Hunderten von Jahren das Wasser nach oben tragen mussten. Wir waren an dieser Stelle wirklich froh, feste Schuhe zu tragen, da Flipflops für eine solche Bergsteigerei sicherlich nicht geeignet sind. Als wir beinahe am Ende angekommen waren, konnten wir die Festung erkennen, die errichtet wurde, um die lebenswichtigen Wasservorkommen zu sichern. Die Wände wurden auf sehr seltsame Weise gebaut, sodass sich Echo und Schall anders verhielten als in normalen Gebäuden. Manchmal hatten wir den Eindruck, die anderen würden von komplett anderen Stellen des Raumes aus sprechen, obwohl wir direkt nebeneinanderstanden, und manchmal war es, als würde das Gesprochene einfach so im Raum verfliegen… Schauerlich-faszinierend! Den Fluss von dort unten nun so nah zu sehen, war beeindruckend. Er war erstaunlich blau, obwohl er von oben aus ganz anders  und eher bräunlich ausgesehen hatte. Der Weg zurück nach oben war wirklich eine sportliche Leistung!

 

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Jetzt wollten wir endlich Rondas Hauptattraktion sehen: die Neue Brücke, el Puente Nuevo! Wir hatten uns den ganzen Tag auf unseren Besuch gefreut. Und da war sie endlich: ein riesiges und beeindruckendes Gebäude, das in die Schlucht hineingebaut wurde und aus drei langen Bögen bestand. Wir hatten vor unserer Anreise bereits Fotos im Reiseführer gesehen, aber die wurden diesem Meisterwerk einfach nicht gerecht! Das musste man einfach mit eigenen Augen sehen, da die eigentliche Größe auf den Fotos nicht so wirkte wie in Wahrheit. Im Hintergrund konnten wir sogar noch einige Berge der Sierra Nevada sehen, die von Schnee bedeckt waren, während unter uns der Fluss rauschte und gluckerte. Der Boden fiel senkrecht unter uns hinab; wirklich unglaublich, welche Formen die Laune der Natur manchmal erschafft.

Da es bereits Nachmittag war, gingen wir in ein Café neben der Brücke. Wir tranken Kaffee und aßen Kuchen direkt am Abgrund der Schlucht! Das war wirklich einmalig.

Dann wollten wir zum Abschluss die Stierkampfarena, la Plaza de Toros, besichtigen. Sie ist eine der ältesten und größten in ganz Spanien. In Ronda ist nämlich der Ursprungsort des modernen Stierkampfes: La Escuela Rondeña, die Schule von Ronda. Die Regeln, nach denen noch heute gekämpft wird, stammen aus Ronda. Auch wenn niemand von uns den Stierkampf unterstützte, waren wir neugierig und wollten mit einem Besuch die Tradition besser kennenlernen und versuchen, die Beweggründe zu verstehen. Und in der Tat: Wir hatten sogar die Möglichkeit, mitten in der Arena zu stehen – zum Glück ohne Stier, der uns angriff. Die Arena war riesig, und es war wirklich beeindruckend, zu sehen, das Ritual ablief: Wir konnten uns anschauen, wo die Stiere leben und auf welchem Wege sie in die Arena gelassen werden. Wir waren in gewisser Weise fasziniert, auch wenn wir so eine Grausamkeit gegenüber den Tieren wirklich nicht befürworten konnten und es uns bei dem Gedanken an den Kampf wahrlich schauderte.

Die Sonne war bereits beinahe in den Bergen verschwunden und zeigte uns damit, dass es Zeit war, Ronda zu verlassen. Die Stadt ist wirklich malerisch und bietet einmalige Erlebnisse. Viele Touristen vergessen sie oft, weil sie in erster Linie an berühmte Orte wie Granada und Marbella denken, aber Ronda verdient eigentlich viel, viel mehr Aufmerksamkeit.